Aktuelles

17. Balkanromanistentag
„Friktionen: von produktiven Gewirren und (Auf-)Brüchen in der südosteuropäischen Romania“

3./4. November 2026
Eine Tagung des BRV in Kooperation mit dem Institut für Romanistik der Humboldt-Universität zu Berlin

Mit dem Begriff der „Friktionen“ knüpfen wir an die Anthropologin Anna Lowenhaupt Tsing an, die damit die produktiven Reibungen bezeichnet, durch die im Kontakt zwischen Menschen, Dingen, Spezies und Praktiken und ihren globalen Verflechtungen Neues entsteht. Friktionen sind nicht nur Ereignisse wie Konflikte oder Blockaden, sondern auch Anlässe für Transformation und Unerwartetes: So können selbst zerstörerische Vorgänge – von Waldbränden bis zur Nuklearkatastrophe – Voraussetzungen für überraschende ökologische und ökonomische Prozesse schaffen, wie Tsings Beispiel nachwachsender, weltweit gehandelter (Matsutake-)Pilze zeigt. Übertragen auf die südosteuropäische Romania verstehen wir Friktionen als Momente, in denen aus Reibungen zwischen Sprachen, Kulturen, Narrativen und sozialen Dynamiken neue Perspektiven, Praktiken und Ordnungen hervorgehen. Diese nachzuzeichnen, ist ein Anliegen der Tagung. 

Programm (Stand: 1. Oktober 2026)

Dienstag, 3.11.26

9:15 Begrüßung

Kultur- und Übersetzungswissenschaft

  • Die Kreolisierung des Balkans: transnationale Perspektiven auf Siebenbürgen, Miruna Bacali (Duisburg-Essen)
  • Wie viel Rumänien verbirgt sich in Patagonien? Iuliu Popper, Toponymie und koloniale Identitätsentwürfe im 19. Jahrhundert, Matei Chihaia und Rebecca Frik (Wuppertal)
  • Zwischen Erinnerungskulturen: Pogrome, Deportationen, Gulag und Shoah im multiethnischen Gedächtnis Rumäniens, Christina Vogel (Zürich)

Literaturwissenschaft

  • Die Identitätsfragmentierung oder “Viaţa ȋncepe de mai multe ori“ in “Voci la distanţă” von Gabriela Adameşteanu, Carmen Lăcan (București)
  • Romnja, die Ich sagen? Literarische Positionen von Romani Autor*innen in Rumänien nach 1989, Dorothee Riese (Leipzig)

– Mittagspause –

  • Fricțiuni, frecușuri, contacte, scântei în scrierile Hertei Müller, Daniel-Sorin Vintilă (Regensburg)
  • Antipoeticul ca discurs al tranziției în literatura română din Republica Moldova: Eugen Cioclea și reconfigurarea poeticității, Dorina Rotari (Chișinău)

Geschichte / Gegenwart

  • Stalin‘s liquid border on the Balkans: The Black Sea – Danube Canal as an element of the preparation of the 3rd World War: 1948-1953, Alexander Gogun (Berlin)
  • Buchhandel zwischen Bukarest und Leipzig als Modernisierungsfaktor im 19. Jahrhundert, Bogdan Popa (București)
  • Rumänistik und soziale Praxis. 20 Jahre Moldova-Institut Leipzig, Klaus Bochmann (Leipzig)

16:45-18:30 BRV-Mitgliederversammlung (hybrid)

Abendessen 

Mittwoch, 4.11.26

Sprache und Migration I: Rumänisch außerhalb Rumäniens

  • Româna ca limbă de moștenire în comunitățile occidentale: dinamici sociolingvistice și politici identitare, Adela Manolii (Chișinău)
  • Sprache und Identitätsdynamiken in transnationalen Migrationskontexten: Eine komparative Studie rumänischer und deutscher Gemeinschaften in Spanien, Jana Weckesser (Heidelberg)
  • Herkunftssprache Rumänisch als Teil der Selbst- und/oder Fremdwahrnehmung in Krisen der Persönlichkeitsentwicklung, Lasse Birger Bohn (Siegen)

Gesellschaftliche Sprach- und Bedeutungsreibungen

  • Dynamique évolutive de la terminologie de guerre dans la presse moldave contemporaine : emprunts, adaptations et innovations lexicales à l’ère du conflit russo-ukrainien, Angela Grădinaru (Chișinău)
  • Wann ist Standard? Reibungsprozesse bei der Durchsetzung und Vereinheitlichung südostromanischer Sprachen und Dialekte auf dem Weg zur Norm, Thede Kahl (Jena)
  • Frazeologia românească între literal și figurat: fricțiuni cognitiv-culturale în învățarea românei ca limbă străină, Anamaria-Bianca Tonț (Oradea)

– Mittagspause –

Sprache und Migration II: Sektion Rückkehr

  • Narațiuni ale revenirii: tensiuni identitare în imaginarul balcanic online, Anamaria Radu (Berlin) und Alexandra Cotoc (Cluj)
  • Spaniola vorbită de copiii migranților români întorși: menținere, uzură lingvistică și reconfigurare identitară, Cristina Bleorțu (Suceava), Héctor Álvarez Mella (Madrid/Heidelberg), Paul Buzilă (București)

Fazit und Abschluss

*

Die Konferenzsprachen sind Deutsch und Rumänisch.

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