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15. Balkanromanistentag „Der Konsensus der Einzelteile. Bruchstücke, Unvollendetes und Zerbrochenes in der Balkanromania“

Heidelberg, 6.-8. Oktober 2022

Die Balkan-Regionalstudien und die Balkanromanistik neigen natürlicherweise zu großangelegten Vergleichen und zu Synthesen, sie richten einen distanzierten, erläuternden Blick auf ihr Objekt. Um einen solchen Blick zu erlangen, sind Detailkenntnisse und Sondierungen in die Tiefe notwendig, die aber meist nur bruchstückhaft als eigenständige Forschung aufscheinen und im Schatten der großangelegten Erklärungsmuster bleiben. Unsere Tagung möchte genau diese Kostbarkeiten freilegen, die particularia, die oft nicht eigens zu Wort kommen. Auch Zufallsfunde oder Solitäre, die ebenfalls keinen Eingang in die Abhandlungen gefunden haben, sollen hier eine Chance bekommen. Solch verdeckte Bezugspunkte in den verschiedenen theoretischen und historischen Konstrukten wie auch Risse und Zäsuren sollen ans Licht gebracht werden. Und überhaupt, alles was fragmentarisch geblieben ist, was zu einem Ganzen gehört hat oder nur zeitweise und irrtümlich zu einem Ganzen gezwungen wurde, soll hier als Fragment seinen Stellenwert zurückerlangen.

Dabei könnte folgenden Fragen nachgegangen werden: Was geschieht mit Sprachen und Mundarten, die nicht das Glück hatten, durch Standardisierung zu einer gesicherten Sprache zu werden und eine eigene Literatur hervorzubringen? Haben Mikroliteratursprachen eine Chance, international rezipiert, wahrgenommen und geschützt zu werden? Sind sie verzichtbare Teilchen oder umherschwebende elementare Bestandteile eines größeren Ganzen? Worunter leiden Sprachen ohne Standard, Staat und Schrifttum? In diesem Zusammenhang wird besonders zu diskutieren sein, was die peripheren Varietäten des Balkanromanischen (Istro-Vlachisch, Meglen-Vlachisch, Aromunisch) benötigen, um nicht als Teilchen wahrgenommen zu werden, sondern jeweils als Ganzes. Und wie steht es um die rumänischen Mundarten Siebenbürgens, des Banats, der Moldau und der Walachei? Kommt die rumänische Standard- und Literatursprache auf Dauer ohne ihre regionalen Ausprägungen aus oder würde sie zu zerbrechen drohen?

Einige Ideen für diese Tagung können folglich sein:

  • Poetiken des Fragments und Programme des Bruchs
  • unvollendete Künstlerleben und unvollendete Werke wie bei Iulia Hașdeu, Nicolae Labiș oder George Enescu
  • die Potenzierung des Einzelfalles zum Exemplarischen und die Gefahren der Verallgemeinerung
  • die kurze Phase der Kleinen Walachei bei Österreich
  • zentripetale und zentrifugale Kräfte im Prozess der Erfindung der Nation
  • die gescheiterte Industrialisierung unter den Kommunisten

Doch dies sind nur Vorschläge und Anregungen. Wir wollen den particularia freien Lauf lassen, und nichts soll die Interessierten davon abhalten, eigene Konzepte von Fragment und Einzelteil zugrunde zu legen.

Vorschläge für Vorträge werden ab sofort gerne entgegengenommen. Bitte melden Sie sich beim Präsidenten des BRV (Peter Mario Kreuter) unter <kreuter@ios-regensburg.de>, wenn Sie einen Vortrag anmelden möchten. Die Frist hierfür endet am 15. Mai 2022.

Weitere Informationen folgen in Kürze.

Und ja, wir wollen uns in Heidelberg treffen! Live und in Farbe!

Herzlich grüßt

Der Vorstand des BRV