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14. Balkanromanistentag

Er findet vom 21. bis zum 23. Mai 2020 an der Universität Heidelberg statt.

Das Rahmenthema lautet: 2121. Die Idee von Zukunft in der Balkanromania

 

„Ia să mă gândesc la viitorul meu… “

(I. L. Caragiale, Kir Ianulea)

„Nene Dumitrache, nu-mi asasina viitorul!“

(I. L. Caragiale, O noapte furtunoasă)

„Ce trecut! ce prezent! și încă ce viitor!“

(I. L. Caragiale, Autoritate)

 

In den letzten Jahren widmete man sich auch in der Balkanromania ausgiebig dem Gedenken an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs, den Auswirkungen der Pariser Vorortverträge, den Folgen der Oktoberrevolution und verweilte somit „in der Erwartung der Vergangenheit“ (E.M. Cioran, Das Buch der Täuschungen, „în așteptarea trecutului”), die in geschlossene Erinnerungshorizonte zurückgeholt werden sollte. Nun ist es an der Zeit, an die nächsten hundert Jahre zu denken und „Defuturisierung der Zukunft“ (Niklas Luhmann, „Die Zukunft kann nicht beginnen“, 1990) zu betreiben, sich der Offenheit der Zukunft zu stellen. Unsere Tagung nimmt sich vor zu reflektieren, wie sich aus der „gegenwärtigen Zukunft“ die „zukünftige Gegenwart“ der Sprachen, Kulturen und Gesellschaften der Balkanromania erahnen ließe, ohne dabei historische Ideen der Zukunft, die „vorlings erinnern“ (Kierkegaard) und für heutige Prospektionsmöglichkeiten und mediale Reflexionsmodi prägend sind, unberücksichtigt zu lassen.

„Tabla capitolelor“ für „Ce are a fi, ce trebuie să fie în timpii viitori“ (I.L. Caragiale, Țal) könnte bei den üppigen Zukunftsformen im Rumänischen und in den weiteren romanischen Sprachen des Balkans einsetzen und folgende Schwerpunkte einschließen:

Sprache, Kultur und Politik

Migration, Demographie, Minderheitenrechte, Bildung und Sprachenpflege: Zukunft der romanischen Sprachen auf dem Balkan und in der Diaspora

Sprachendiffusion, Sprachenkontakt und Evolution der balkanromanischen Sprachen

Sprachen und Kulturen im Zug der Globalisierung und Internationalisierung

Politische und gesellschaftliche Projekte, Diskurse der Prognose und Planung

Hoffnungsträger und Mobilisierungspotentiale. Anfälligkeiten, Gefahren und Schwachstellenmanagement

Rhetorik des Versprechens, Strategien des Verschiebens. Bereitschaft und Verantwortung im Zukunftsdiskurs: die Rede in Zukunft II (Futurum exactum)

Unverwirklichte, aufgegebene, vergessene Ideen der Zukunft

Literatur- und Kulturwissenschaften

Mapping die Zukunft: soziale Erwartungen, selbst auferlegte Aufgaben, Wunschbilder, Möglichkeitsdenken und Ängste

Zukunftsvorstellungen als fiktive Narrative: Simulationen und Spielmodelle.

Zukunftsvorstellungen in der Fiktion: Utopien und Dystopien auf dem Balkan, Zukunftsliteratur und -film, Flaschenpostliteratur und Kunst mit versteckten Botschaften

Der Deal mit der Zukunft: Eskapismus und Surrealismus, Experimentalkunst und Avantgarde, Kunst und neue Media

Projekte und Initiativen zur Bewahrung der Sprachen und Kulturen der Balkanromania: Dominierende – Dominierte und ihre Zukunft

Musealisierung, Archivierung, Digitalisierung regionalsprachiger Korpora

 

Tagungssprachen sind Deutsch, Englisch und Rumänisch.

Einreichungen von Abstracts: ca. 300 Wörter zzgl. Literaturangaben für 20-minütige Vorträge bis zum 15.04.2020 an kreuter@ios-regensburg.de

Anmeldung zur Tagung (mit oder ohne Vortrag): Bis 01.05.2020. Es wird keine Tagungsgebühr erhoben.

Organisation: Romanița Constantinescu (Uni Heidelberg) und Peter Mario Kreuter (Leibniz-IOS, Regensburg)